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News from Caprica City

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“Previously on Caprica” heißt es seit einigen Wochen im abendlichen Serienprogramm von Miss Gouldy. Caprica: die neue Science Fiction-Serie des US-amerikanischen Senders SyFy ist der Nachfolger der erfolgreichen und von der Kritik hochgelobten Serie Battlestar Galactica, die von 2003-2008 vom selben Kanal produziert und bis März 2009 ausgestrahlt wurde. Als deren Prequel konzipiert, wurde Caprica somit vorzugsweise von der Battlestar Galactica-Fangemeinde mit Sehnsucht erwartet.

Nach Aussage seines Produzenten Ronald D. Moore enthält die Serie für diese Fans zwar einiges an offenen und versteckten Referenzen zu ihrem Vorgänger. Zum genuinen Verständnis der Handlung wären deren Kenntnis jedoch nicht notwendig, ein Einstieg für Nicht-Fans von Battlestar Galactica also problemlos möglich. Zudem soll Caprica sowohl inhaltlich als auch stilistisch mit einer neuen, eigenständigen Handschrift auftreten.

Trotz dieser Vorgaben respektive Aussagen von Moore fällt es als Battlestar Galactica-Kennerin schwer bis nahezu unmöglich, Caprica nicht vor dem Hintergrund ihrer Vorgängerserie zu betrachten – gerade eben auch was deren Inszenierung anbelangt.

Die Serie spielt 58 Jahre vor den in Battlestar Galactica dargestellten Ereignissen auf dem Planeten „Caprica“, eine von zwölf Kolonialwelten einer fiktiven menschlichen Zivilisation.

Verwoben mit Familiendramen, Wirtschaftsintrigen und religiösen Spannungen wird die Entwicklung der sogenannten „Cylons“ geschildert, einer kybernetischen Lebensform, welche zunächst mit den Menschen zusammenlebt, sich aber später gegen ihre Erbauer auflehnt – ein klassischer Science Fiction-Topos und auch wohl die zentrale Verbindung zwischen den beiden Serien Caprica und Battlestar Galactica.

Den Auftakt bildet ein Bombenterrorattentat auf einen Schnellzug in der Hauptstadt des Planeten, Caprica City, zu dem sich religiöse Fanatiker, die in einer polytheistisch geprägten Gesellschaft den Monotheismus für sich entdeckt haben, bekennen. Über den Verlust ihrer Töchter bei diesem Anschlag lernen sich der wohlhabende und erfolgreiche IT-Unternehmer Daniel Greystone und der vom Planeten Tauron stammende Anwalt Joseph Adama kennen – Vater von William Adama, den späteren Kommandanten der „Galactica“, in Caprica ein ca. 12-jähriger Junge. Daniel Greystone, der den Tod seiner Tochter Zoe nicht akzeptieren kann, versucht mit Hilfe seiner Forschungen zur Künstlichen Intelligenz, sie zurückzugewinnen – Zoe erfährt über den Umweg ihres virtuellen Avatars, dessen Code mithilfe eines sogenannten „metakognitiven Prozessors“ in einen Roboter transferiert wird, ihre Wiederauferstehung – in Form des ersten Cylons der Zwölf Kolonien.

Neben den eindeutigen und auch explizit gemachten Referenzen an die christliche Trinitätslehre, hier ausgedeutet als Entwicklungsparadox einer Künstlichen Intelligenz, klingt das auf den ersten Blick nach viel unverständlichem Technobubble à la Star Trek, doch keine Angst, hier zeigt sich die Handschrift von Ronald D. Moore: Caprica kommt weitestgehend ohne solche sprachlichen Fuchsereien aus. Die für den Plot benötigten futuristischen Gadgets wie das der Erzeugung virtueller Realitäten dienende „Holoband“ werden elegant in die Serie integriert und der zentrale Mensch-Maschine-Topos auf clevere Art und Weise aufgegriffen, im Vordergrund stehen jedoch wie schon bei Battlestar Galactica die sich entwickelnden und verquickenden Beziehungen der verschiedenen Charaktere. Wenn schon Battlestar Galactica von hartgesottenen Science Fiction Fans zum Vorwurf bekam, mehr Drama als Science Fiction zu sein, so trifft dies auf Caprica doppelt zu. Es handelt sich gewissermaßen um eine Art Parallelwelten-Dallas und damit die erste Science Fiction-Soap Opera überhaupt – a new Genre is born.

Dies zeigt sich auch in einem gewöhnungsbedürftigen Hang zu Melodrama und Pathos – wie an folgendem Beispiel zu hören: Auch Joseph Adama versucht nach Verlust von Frau und Tochter mit seinem verbleibenden Sohn William einen Neuanfang – und besinnt sich dabei auf seine bisher verleugneten – da in der städtisch geprägten Gesellschaft von Caprica geächteten – bäuerlich-tauronischen Wurzeln:

In dieser Szene zeigt bzw. hört sich die konsequent durchgezogene konventionelle Inszenierung von Caprica, die gewissermaßen das Gegenteil des naturalistisch-experimentellen Designs von Battlestar Galactica darstellt. Dies zeigt schon allein die durchweg bestehende musikalische Begleitung, die das dramatische Geschehen permanent kommentierend verstärkt. Selbst wenn dies ein zentrales Stilmittel einer Soap Opera sein sollte, so geht dies auf Kosten der ansonsten soliden darstellerischen Leistungen der Charaktere.

Ebenso konventionell – und damit nun wirklich als ein Rückschritt begreifbar – werden sogenannte alternative, also nicht-normative Lebensentwürfe inszeniert. Das utopische Potential von Battlestar Galactica bestand unter anderem gerade im reinen Zeigen von Lebensentwürfen jenseits der heteronormativen Zweierbeziehungen, wobei – auch wenn es eher die Ausnahme denn die Regel darstellten – gerade aufgrund der fehlenden diskursivierten Problematisierung das Gezeigte den Charakter des Selbstverständlichen gewann.

In Caprica hingegen, in dem das Konzept der Mehrehe vorgestellt wird, wird dessen exklusiver Charakter über den staunenden Blick und den toleranzgeschwängerten Kommentaren einer Serienfigur, als sie diesem Lebensentwurf zum ersten Mal persönlich begegnet, explizit betont.

Doch vielleicht wird dieser Einwand durch den weiteren Serienverlauf revidiert werden: insgesamt lohnt es sich, reinzuschauen und auch dranzubleiben. Dies gilt gerade für das Überstehen des höchst tragisch-dramatisch gehalten und sich dabei recht wichtig nehmenden Pilots. Die überaus gelungene spielerische und gewitzte Ausgestaltung des Mensch-Maschine-Komplexes, mit all seinen ethischen, emotionalen und identitären Verstrickungen und Abgründen, und demzufolge das Suchtpotenzial setzt spätestens mit der darauffolgenden zweiten Folge ein: versprochen!

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