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Veronica Mars – Kane – Citizen – Hearst

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Veronica Mars, die Person, enthüllt als Protagonistin der gleichnamigen Teen Noir nicht nur die düsteren Geheimnisse von Neptun, einer fiktiven Kleinstadt, in der nur Millionäre und diejenigen wohnen, die für sie arbeiten und oft genug gedemütigt werden.

Veronica Mars, die Serie, zitiert zusätzlich ausführlich – aber nicht ausschließlich – Kunst- und Filmgeschichte. Dies geschieht unaufgeregt und beiläufig und stört dabei nie die komplexen Handlungsebenen und Gefühlsentwicklungen, die in Verbindung mit eloquenten Dialogen stets gute Unterhaltung bieten.Diese Zitate der und Verweise auf Kunst-, Film- und Realgeschichte bilden jedoch eine weitere Interpretationsebene, die manchmal als Witz, manchmal auch als Verstärkung des intendierten Verständnisse verschiedener Charaktere funktioniert.

Besonders anzuerkennen ist die Gestaltung der Story, die die Kenntnis um diese Verweise für das Verständnis der Serie nicht unabdingbar voraussetzt und auch ohne einen Master in Kunstgeschichte funktioniert. Für Fans der Serie, die nach 3 Staffeln eingestellt wurde, bleibt so jedoch auch beim wiederholten Schauen immer Neues zu entdecken.

Reichste Familie der Stadt ist die Familie Kane, die ihr Vermögen der Perfektionierung des Videostreamens verdankt. Den Hauptplot der ersten Season bildet die Aufklärung des Mordes an Lily Kane, Veronicas bester Freundin, durch Veronica und ihren Vater Keith Mars.
Als Veronica Mars’ Vater Keith noch Sheriff der Stadt war, verdächtigte er Jake Kane, Firmengründer, seine Tochter Lily ermordet zu haben. Als er dies nicht beweisen konnte, wurde er abgewählt und geriet ins soziale Abseits. Seine Frau, Veronicas Mutter, verließ ihn.Veronica wird seitdem ausgegrenzt, ihr Freund Duncan, Bruder ihrer ermordeten Freundin, hatte sie – ohne einen Grund zu nennen – kurz vorher verlassen.

Kane, die reichste Familie der Stadt. Citizen Kane, Orson Welles’ Meisterwerk aus dem Jahre 1941, dass oft immer noch als bester Film aller Zeiten gerühmt wird und diesen Namen – Kane – im Titel führt. Orson Welles verfilmte die Lebensgeschichte eines Superreichen, der aus ärmlichsten Verhältnissen kommt und sich rücksichtslos mit dem Verlust seiner Integrität und einstmaligen moralischen Ansprüche seinen Reichtum erkämpft, indem er ein Zeitungsimperium aufbaut, und sich bei den Inhalten an der Yellow Press orientiert. In jüngerer Vergangenheit wurden z. B. Rupert Murdoch oder Ted Turner als Charles Foster Kane bezeichnet und damit negativ charakterisiert.

Rücksichtslosigkeit und Kälte bestimmen auch das Privatleben Kanes, der gegen Ende seines Lebens sein Imperium verkaufen muss, aber seinen Palast Xanadu behält, in dem er einsam stirbt. Charles Foster Kane wurde von Orson Welles gespielt, der dafür eine Oscar Nominierung erhielt. Inspiration und Vorbild von Kane war der Zeitungsmagnat William Randolph Hearst.

Orson Welles war mit seinem Radiofeature “War of the Worlds” 1938 schlagartig berühmt geworden, in dem er die gleichnamige Erzählung von H. G. Wells adaptiert hatte. Viele Hörerinnen und Hörer nahmen die Geschichte einer Marsinvation auf Grund ihrer Gestaltung mit reportagehaften Elementen im Nachrichtenstil für bare Münze, und es wurde von Massenpaniken berichtet, die eher der Legendenbildung dienten als tatsächlich stattfanden.

Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Panik wurde weltweit über den Mythos der Panik berichtet und der Vorfall einige Monate später auch von Adolf Hitler abfällig in einer Rede erwähnt. Eine Untersuchung der Frage, inwieweit der Erfolg dieses Radiofeatures die Nazis inspirierte, das Medium Radio als bevorzugtes Propagandainstrument einzusetzen, ist jedoch nicht Gegenstand dieses Beitrages.

Über William Randolph Hearst als Grundlage für die Figur des Bürgers Kane bestand bereits zur Entstehungszeit des Films von Orson Welles weitgehend Konsens, auch wenn dies von Orson Welles nie öffentlich bestätigt wurde. Hearst bekämpfte die Verbreitung des Films, über den in keiner seiner Zeitungen berichtet werden durfte. Die Verwendung von Elementen der Lebensgeschichte von Hearst zeigt sich unter anderem an der Geliebten Kanes, die dieser als Opernstar aufzubauen versucht, was jedoch trotz seines Zeitungsimperiums und damit verbundener starker positiver Presse nicht gelingt. Auch Hearst versuchte, seine Geliebte Marion Davies zum Star, genauer als Schauspielerin, zu machen, was durch die weithin bekannte persönliche Verbindung der beiden jedoch eher verhindert wurde.

Eine Luftaufnahme der luxuriösen Ranch von Hearst, auch Hearst Castle genannt, wurde im Film als Kanes Schloß Xanadu gezeigt.

Orson Welles schrieb das Drehbuch – übrigens der einzige Oscar, den Citizen Kane erhielt – gemeinsam mit Herman Mankiewicz, einem der begabtesten Schreiber und Kritiker dieser Zeit, der auch das Script für “The Wizard of Oz” kreiierte. Hearst bewunderte Mankiewicz, und bevor Citizen Kane veröffentlicht wurde, war er oft eingeladen. Danach nicht mehr.

Die Geschichte von Orson Welles’ Citizen Kane wird größtenteils in Rückblicken erzählt, die sich einem Reporter enthüllen, während er versucht, das Geheimnis um das letzte Wort Kanes auf dem Sterbebett zu enthüllen: “Rosebud.”Und auch Veronica Mars zitiert es, hier in Staffel 2, Episode 8…

Während in den 1930er und 40er Jahren Zeitungen DAS Massenmedium und die Grundlage für Kanes Vermögen waren, ist in Veronica Mars – entstanden im ersten Jahrzehnt dieses Jahrtausends – das modernere Medium zur Verbreitung von Nachrichten, das Streamen von Videos, der Grund für den sagenhaften Reichtum der Kane Familie.

In Veronica Mars ist ebenso wie in Citizen Kane der Widerspruch zwischen wirtschaftlich glücklicher Lage und dem privaten Unglück der Familie Kane ebenfalls spürbar und wird nach und nach enthüllt: Lily Kane, Veronicas beste Freundin, wurde ermordet. Duncan Kane, Lilys Bruder und Hoffnung der Familie, leidet unter rätselhaften epileptischen Anfällen. Seine Eltern Jake und Celeste Kane fanden ihn blutüberströmt bei der Leiche und glaubten, dass er der Mörder sei. Jake Kane war zu seiner Highschoolzeit mit Veronicas Mutter zusammen, seine Frau hasst deshalb Veronica.

William Randolph Hearst war nicht nur Vorbild für den Protagonisten Citizen Kane, auch seine Familie geriet immer wieder in die Schlagzeilen. Seine Enkelin Patty Hearst wurde 1974 im Alter von 19 Jahren von der Guerillagruppe Symbionese Liberation Army gekidnappt und wurde nach einem Monat Mitglied der Gruppe. Umstritten ist bis heute, inwieweit sie sich aufgrund von Überzeugungen oder wegen dem sogenannten Stockholmsyndrom der Gruppe anschloss. Für einen Banküberfall wurde sie zu 2 Jahren Haft verurteilt, die von Jimmy Carter ausgesetzt wurde, Bill Clinton begnadigte sie in seiner letzten offiziellen Amtshandlung.

Nun trägt auch das College, welches Veronica Mars in der 3. Staffel besucht, den alten Familiennamen. In der 8. Folge dieser Staffel spielt Patty Hearst Sammy Hearst, die gezwungen wird, ihr eigenes Kidnapping vorzutäuschen. Als Veronica und Keith Mars sie finden und nach den Gründen fragen, klingen Reminiszenzen an ihre eigene Biographie an:
[have you ever been a walking punchline? i mean on a national scale. i spend the rest of my life to earn back a certain measure of respect.]

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