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Make Me Good God But Not Yet – Nurse Jackie

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Nicht als Drama, in dem die meisten der hier vorgestellten us-amerikanischen Qualitäts-TV-Serien eingeordnet werden, wird “Nurse Jackie” gelistet, sondern als Dark Comedy.
Krankenhäuser, gemeinhin beliebter Schauplatz unzähliger TV-Serien, von denen die meisten nicht das Prädikat Qualitäts-TV erhalten dürften, sind ein danbares Terrain für Dramen jeder Art. Privates Glück und Unglück der Ärzte und Schwestern – selten unter umgekehrten Geschlechterzeichen – die private Affairen oder die große Liebe in Verbindung mit den erzwungenen Dramen spielen – denn es liegt in der Natur der Sache, dass neben den Angestellten nur Kranke in einem Krankenhaus sind – bergen genügend faszinierenden Stoff für die Zuschauer_innen, die sich damit vom eigenen miserablen Leben im Kapitalismus distanzieren und ablenken können.
Zwischen 15 und 9% des Bruttoinlandproduktes westlicher Industrienationen werden für das Gesundheitswesen ausgegeben. In Deutschland arbeiten 4,4 Mio Arbeitnehmer in diesem Bereich, dies sind immerhin 10%, Tendenz steigend.
Und so ist “Nurse Jackie” entscheidend näher am realen Lebensbild der working class als gemeinhin im New York der TV-Serien üblich, dass sonst eher Charaktere aus dem Anwaltsmilieu, Manager, glamouröse Verbrecher oder Künstler vorstellt, seien es nun “Sex and the City”, “Law and Order” oder “White Collar”.
Entwickelt und geschrieben wurde Nurse Jackie von Liz Brixius, Linda Wallem und Evan Dunsky.
Über ihre Motivation erzählte Liz Brixius, dass – Zitat “…die Geschichten, die von Männern kreiiert werden, oft die  Geschichten von Eroberungen sind, sei es nun, einen Job zu bekommen, die Olympiade zu gewinnen, was auch immer. Die Geschichten von Frauen sind oft weniger zugespitzt und brauchen deshalb mehr als 3 Monate, um vollständig gezeigt zu werden. Und jede Krankenhaus-Show drehte sich um Doktoren. Ärzte sind aber absolut unfähig ihre Arbeit ohne die Hilfe von Krankenschwestern zu leisten. Diese Geschichten möchten wir erzählen.” Zitatende.
Die titelgebende Protagonistin Jackie Peyton, die in der Notaufnahme des All Saints Hospital arbeitet, wird von Edie Falco gespielt, die vielen aus den “Sopranos” bekannt sein dürfte. Diese Serie war es, die Ende der 1990er Jahre die Qualität in us-amerikanische TV-Serien brachte und den Weg für die Inhalte von previously ebnete.
Jackie wird als starke, jedoch gestörte Persönlichkeit eingeführt, die sich nicht an Regeln des Krankenhausalltags hält, wenn diese ihrem Gerechtigkeitsempfinden in den Weg kommen, und die ihren Alltag mit Hilfe von Vicodin und Adderall meistert.
Die Ausstrahlung der Serie hatte umgehende Proteste der New York State Nurses Association über das als unethisch empfundene Verhalten von Jackie Peyton zur Folge, die Diskreditierung eines ganzen Berufsstandes wurde befürchtet.
Bedenkt man die immerwährenden Skandalisierungen und Proteste der Arbeitnehmer des Gesundheitswesens über unzumutbare Arbeitsbedingungen, erscheinen die Einwände der Association lächerlich und naiv. Wie soll jemand Doppelschichten unter Stress, der über Leben und Tod entscheidet, arbeiten, ohne zu leistungsfördernden Mitteln zu greifen?
Doch ihre Drogenabhängigkeit ist nicht die einzige Verletzung des Ethischen Codes und die Liste ihrer Verfehlungen allein in der Pilotfolge ist beachtlich: sie fälscht einen Organspendeausweis. Sie spült das Ohr eines Psychopathen die Toilette herunter, der politische Immunität besitzt und eine Frau schwer mit einem Messer verletzt hatte und dass ihm diese in Notwehr abgeschnitten hatte. Sie schläft während ihrer Arbeitszeit mit Eddy, der die Medikamentenausgabe betreut, und sie bringt fast einen Patienten um, als sie die übermüdet die Kanülen verwechselt. In einer späteren Folge wird sie einer Ex-Kollegin, die an unheilbarem Krebs leidet, beim Sterben helfen.
Damit werden die übermenschlichen Ansprüche und die schwer zu tragende Last der Verantwortung, die die ethischen Grundsätze an Krankenschwestern stellen, konterkarriert.
In einem Gespräch zwischen Jackie und und ihrer besten Freundin Dr. O’Hara erklärt ihr diese den grundlegenden Unterschied zwischen  Schwestern und Ärzten. Während die einen helfen wollen, Patienten wieder gesund zu machen, interessiert Ärzte vordergründig, wie und warum körperliche Schäden entstehen und wie sich diese auf den menschlichen Organismus auswirken. Während des Gespräches verschluckt sich eine ältere Frau am Nebentisch. Jackie und O’Hara disktutieren kurz die Folgen – wie lange wird es dauern, bis es zu irreparablen Hirnschäden kommt – bis Jackie schließlich aufsteht und hilft. Die mangelnde Sensibilität gegenüber den Leistungen der Krankenschwestern wird exemplarisch gezeigt, wenn die gerettete Dame zu ihrer Begleitung sagt “Nett, dass das Hotel eine eigene Schwester beschäftigt.” Kein Wort des Dankes hingegen zu Jackie.
Die Kollegen von Jackie sind, zum einen dem Genre der Comedy geschuldet, zum anderen der breiten Bevölkerungsschicht, die in der Branche arbeitet und damit nicht heterogen sein kann, teilweise eher holzschnittartig gezeichnet: neben der frischgebackenen Krankenschwesterschülerin Zoey, die noch voller Enthusiasmus und Illusionen steckt, gibt es Dr. Cooper, der von einem lesbischen Pärchen erzogen wurde und unter Streßsituationen die Brüste seiner Kolleginnen angrapscht, nach außen jedoch die immer noch anzutreffende Glamourösität des Ärztestandes verkörpert sowie zwei schwule Krankenpfleger.
Jackie kann sich nicht entscheiden, ob sie die Heilige sein möchte, die von der Gesellschaft für Krankenschwestern imaginiert wird. Sie ist sich bewußt darüber ist, dass ein Leben unter diesen Umständen und in einer Gesellschaft, die ihr mit unbarmherzigen Zwängen begegnet, das Ausweichen auf “unlegitime Mittel”, die teilweise illegalisiert werden, erforderlich macht.
Doch das ist nicht alles: als Jackie am Ende der  Pilotfolge die Haustür aufschließt, ist schon jemand zu Hause: ihre 2 Töchter und ihr Ehemann. Und während diese nichts von ihrer Arbeitswelt wissen, glauben ihre Kollegen, dass sie unverheiratet und kinderlos ist. Der Versuch, ihr Doppelleben zu verschleiern, stellt sie im Laufe der Serie vor immer größere Probleme.
Bei 4 Folgen der 1. Staffel führte Steve Buscemi, der durch seine charismatischen Neurotiker- und Psychopathenrollen in Filmen der Coen Brüder bekannt wurde, Regie.
Bisher sind von Nurse Jackie 2 Staffeln erschienen, eine dritte ist angekündigt, ein Starttermin steht allerdings noch nicht fest. Nicht nur wir lieben Nurse Jackie, sondern auch die Kritiker. Edie Falco ist dieses Jahr sowohl für den Golden Globe Award als auch für den Screen Actors Guild Award nominiert, für die Emmy Awards hat die Serie immerhin 8 Nominierungen bekommen.

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