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New Fall Season 2011

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Der Herbst ist da, und anstatt auf den Straßen abzuhängen und mit Freundinnen Bier zu trinken, wird es wieder Zeit, sich mit der Katze auf dem Sofa in eine Decke zu kuscheln und das Serienuniversum nach neuen, vielversprechenden Serien zu scannen.Doch bevor wir zu den ganz neuen Serien kommen: die sommerliche Midseason brachte uns die 3. Staffel von “United States of Tara”, in der alle Erzählstränge und innerfamiliären Konflikte zunehmend dramatischer wurden. Ein offenes Ende ließ trotzdem vorsichtigen Optimismus für Tara, die von einer dissoziativen Identitätsstörung betroffene Protagonistin, keimen. Die bislang beste, leider aber auch letzte Season.

Nurse Jackie“, bisher immer im Doppelpack mit “United States of Tara” ausgestrahlt, überzeugte uns nicht ganz. Jackies Doppelleben als Medikamentenabhängige Krankenschwester, die in den ersten beiden Staffeln zwischen Affäre und Familienleben entlang schlitterte, ließ uns zwar nicht gelangweilt, aber auch nicht mit überraschenden Wendungen zurück. Der Cliffhanger des Seasonfinales – der hier natürlich nicht verraten werden darf – eröffnete dann aber neue Wege für interessante Entwicklungen, die auf eine gute 4. Staffel hoffen lassen, die die Serie zu neuen Höhenflügen führen könnten.

Gut unterhalten hat uns das “Glee Project“, in dem für eine Rolle in “Glee” ähnlich wie in anderen Casting Shows verschiedenen Kandidat_innen nicht nur gegen-, sondern auch miteinander antraten. Wohltuend war dabei, dass die sonst so entwürdigende Zurichtung und Normierung hier keine Rolle spielten, und die Teilnehmer_innen mit großem Respekt behandelt worden. Folgerichtig gab es dann im Finale überraschenderweise 2 Sieger, und auch die beiden anderen Finalist_innen wurden mit wenigstens kleinen Gastrollen belohnt.

Das war also der Sommer. Angekündigt waren ja für die Fall Season 2011 eine ganze Menge von Serien, die auf dem Erfolg von Mad Men aufbauend in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts spielen würden, ergänzt um einige Remakes erfolgreicher Serien aus dem letzten Jahrhundert. Nun hat sich die Spreu vom Weizen getrennt – einige unserer Befürchtungen wurden bestätigt, aber es gab auch positive Überraschungen:

Zum Glück bringt die Unterschätzung der Intelligenz von Fernsehzuschauer_innen, die hierzulande als Begründung für die immerwährende Flut von schlechten Formaten herhalten muss, in der us-amerikanischen Fernsehlandschaft nicht immer das gewünschte Ergebnis.

“Charlie’s Angels” wurde nach nur 4 ausgestrahlten Folgen abgesetzt. Im Vorfeld waren bereits erhebliche Zweifel laut geworden, ob eine Serie nach einem schlechten Film auf Grundlage einer in den 1970er Jahren erfolgreichen Serie irgendwie interessant sein könnte. Vernichtend waren dann die Urteile, die an der Zurechnungsfähigkeit eines schauspielerisch unmöglichen Casts und konfusen Plots zweifelten.

Klar auf der Welle von Mad Men schwimmend, wurde “The Playboy Club” als provokative neue Serie angekündigt. Nachdem Mad Men sich mit den Umbrüchen der us-amerikanischen Gesellschaft und auch dem verändernden Rollenbild der Frauen auseinandersetzt, und dieser Subplot eine Komplexität zeigt, die weit über die Vorgänge in der Werbeagentur reicht; fühlten sich die Macher des “Playboy Club” verpflichtet, in ihrem Club den immanenten Sexismus der Serie mit den Hinweisen auf die Stärke von Frauen und die Möglichkeiten auf ihre Selbstverwirklichung im Club zu entkräften. Viel mehr als das Argument Gehalt, dass hier Frauen in weit größerer Höhe als damals sonst üblich gezahlt wird, fällt den Serienautoren jedoch nicht ein.

Am Anfang des Piloten bekommen wir von der Stimme aus dem off erklärt, dass hier Phantasien Realität wurden. Folgerichtig wird eine der Frauen direkt im Anschluß Opfer einer versuchten Vergewaltigung, derer sie sich nur durch den Totschlag ihres Angreifers mit ihrem Stöckelschuh erwähren kann. Und auch, wenn folgender Dialog einfach eine beschissene Einstellung gegenüber den Frauen im Club widerspiegelt: Finden wir das unterhaltsam? Natürlich nicht, thank you for asking:

[Ausschnitt (nur in audio-version)]

Absurd auch der kleine Nebenplot, der enthüllt, dass eine der Bunnies lesbisch ist und mit ihrem hohen Gehalt eine Gruppe von Lesben und Schwulen unterstützt, die gegen ihre gesellschaftliche Diskriminierung kämpfen wollen, und die mit einem Schwulen eine Scheinehe eingegangen ist. Als sie eine der Bunnies für einen Photowettbewerb des Playboy fotographieren soll, kann sie diese kaum ansehen. Was soll uns hier suggeriert werden? Dass Lesben sich – genauso wenig wie Männer – im Griff haben, wenn sie halbnackte Frauen sehen, weil diese durch ihre offenherzige Erscheinung allgemeines Verfügungsgut werden? Wenn im Jahre 2011 derartige Suggestionen als neu und provokant verkauft werden sollen, können wir nur zur Teilnahme an den Slutwalks aufrufen!

Gegen Ende des Piloten wird es richtig zynisch: während uns die – gespielte – Stimme des Playboy Gründers Hugh Heffner allen Ernstes weismachen möchte: “Bunnies were the only women who could be what they want.”, sehen und hören wir im Hintergrund Tina Turner, schemenhaft ist auch ihr Mann Ike zu erkennen. Die Gewalttätigkeit ihrer Ehe, in der Tina Turner von ihrem Ehemann geschlagen und vergewaltigt wurde, ist bekannt.

Nicht nur uns wurde dabei schlecht. Auch die Rechtfertigungsversuche, die Möglichkeit des Geldverdienens und daraus resultierender wirtschaftlicher Unabhängigkeit als eine Spielart des feministischen Kampfes zu verkaufen, scheiterte. Nach 3 Episoden wurde die Serie abgesetzt.

Auch die Serie Pan Am ist in den 1960er Jahren angesiedelt und verfolgt das Schicksal einiger Stewardessen. Während die ersten Spots mit Lines wie “Sie machen alles. Und sie machen es in 30.000 Fuß Höhe.” das Schlimmste vermuten ließen, waren wir dann doch überrascht. Neben den Stewardessen, die ihren Job als Möglichkeit für die Suche nach einem Ehemann verstehen, sind die Protagonistinnen dann doch komplexer gezeichnet. So sehen wir Maggie Ryan, gespielt von Christina Ricci, zuerst in ihrem Brooklyner Appartment vor einem Bücherregal, in dem auch Hegel und Marx stehen, die erklärt: “Ich sehe die Welt, um sie zu ändern.”

Kelli Garner spielt als Kate Cameron eine dreisprachige, starke Frau, die in der Pilotfolge vom CIA als Undercover Agentin für Kurierdienste verpflichtet wird. Sie akzeptiert.

Kate hat auch ihrer Schwester Laura geholfen, kurz vor ihrer Hochzeit zu entfliehen, die nun ebenfalls als Stewardess unterwegs ist. Teil der Story ist immer auch der historische Hintergrund, seien es die Schlacht in der Schweinebucht oder Kennedys berühmte Rede mit dem Slogan “Ich bin ein Berliner.” Hier wird deutlich, dass Westdeutschland als Allierter im Kalten Krieg gebraucht wurde, und damit die Naziverbrechen im politischen Tagesgeschäft vergessen waren.

Colette Valois, eine französische Stewardess, von Karine Vanasse als 4. der Protagonistinnen dargestellt, die als Einzige ihrer Familie die Okkupation Frankreichs durch die Deutschen überlebte, verweist auf diesen Zusammenhang. Auf einem Botschaftsempfang in Berlin, auf dem die anderen unbedingt den us-amerikanischen Präsidenten treffen wollen, sorgt sie für unbehagliche Gesichter der Diplomaten, als sie mit brüchiger Stimme die 1. Strophe der deutschen Nationalhyme – “Deutschland, Deutschland über alles” singt. Wir sind gespannt, wie die deutsche Synchronisation damit umgehen wird, falls die Serie hierzulande ausgestrahlt wird.

Die zwei männlichen Protagonisten bleiben eher blass im Hintergrund. Es gibt viele Verweise auf die tatsächliche Situation der Frauen jener Zeit: entwürdigende Gewichtskontrollen, Kleidungsvorschriften, der Verlust des Jobs bei einer Heirat. Dennoch haben die ersten ausgestrahlten Folgen von “Pan Am” unser Interesse geweckt, wir werden sehen, ob sich eine tiefere Interpretation der Serie für previously lohnt. Oder ob “Pan Am” uns einfach unterhalten wird und die Zusammenfassung von Stacey Wilson, Senior Editor beim Hollywood Reporter eigentlich bereits alles sagt hat: “Diese Charaktere an der Frontlinie des Sexismus zu sehen, erfüllt mich mit Schock und Erleichterung…Es gibt uns die Möglichkeit, die Errungenschaften unserer Zeit wirklich zu schätzen.”

Gefeiert wurde ja im Vorfeld der im Vergleich zur letzten Season stark gestiegene Anteil von weiblichen Serienautoren und die wesentlich höhere Anzahl von weiblichen Hauptdarstellerinnen. Natürlich ist Weiblichkeit erst einmal keine Qualitätsmerkmal. Wir hatten jedoch die Hoffnung, dass eine ausgewogenere Verteilung eine größere Anzahl auch für uns interessanter Seriensujets hervorbringen möge. Dies bezog sich auf Comedies, die weiter auf dem Vormarsch sind.

Auf feministischen Seiten und in TV-Foren freuten sich alle auf die neue Comedy “Whitney“. Geschrieben hat und gleichzeitig die Hauptrolle spielt wird die amerikanische Komikerin Whitney Cummings. In der Serie porträtiert sie die weibliche Hälfte eines Paares, das beschlossen hat, das Leben zwar gemeinsam, aber ohne Trauschein zu verbringen. Wir haben die Pilotfolge geschaut und hatten genug: total crap. Auf der Hochzeit einer Freundin hört Whitney, dass Sex die Beziehung jung hält. Anschließend sehen wir ihr dann beim verzweifelten Suchen nach Reizwäsche zu, hören blöde Dialoge, ach, wenns nicht so schlecht wäre, könnte man in Ruhe schlafen.

Up All Night” bringt uns ein Wiedersehen mit Christina Applegate, die durch ihre Darstellung der Kelly Bundy weltberühmt wurde. In der neuen Comedy spielt sie eine Frau, die mit Freude ihre berufliche Karriere verfolgt, nie Kinder wollte und nun doch Nachwuchs bekommt. Wenn man es unterhaltsam findet, wie ein Ehepaar als Begründung für das Baby den angsterfüllten Dialog über Personen, die ohne Kinder im Alter allein sind führt, oder wie sie deppert versuchen, gegenüber ihren als cool empfundenen Nachbarn die eigene Hippness durchs Pimpen ihrer Facebookseite zu steigern. Verschwendete Lebenszeit: unlustig und langweilig.

Zur Zeit am erfolgreichsten ist “New Girl“, geschrieben wurde die Comedy von Liz Meriwether. Zooey Deschanel porträtiert Jess, eine Grundschullehrerin, die kein Glück in der Liebe hat. Nach ihrem jüngsten Beziehungsende zieht sie in eine WG mit 3 Männern. Idee der Comedy soll sein, dass sie durch die Nähe zum anderen Geschlecht langsam beginnt Männer zu verstehen. Die bisher ausgestrahlten Folgen sind nach dem stets gleichen Muster aufgebaut: die seltsame Jess, die schiefe falsche Zähne lustig findet und häufig plötzlich zu singen anfängt und darauf besteht, dass sie so toll ist, wie sie eben ist, wird sie von den Jungs in irgendeine Rolle gepresst, die ihr helfen soll. Das funktioniert dann natürlich nicht, es gibt Verwerfungen, dann verzeihen sich alle und zum Schluß haben alle Verständnis.

Auch nicht subtil, dafür wenigstens unterhaltsam ist die Sitcom “2 Broke Girls“: Brooklyn, ein Diner, eine arme Kellnerin – Max -, die sich mehr schlecht als recht durchschlägt. Dazu eine ehemals reiche Tochter – Caroline -, die aus Scham über den an Madoff erinnernden Vater nach Brooklyn flüchtet und bei Max unterschlüpft. Auch hier sind die Folgen streng schematisch aufgebaut: zu Beginn gibt es stets Auseinandersetzungen zwischen Max und Gästen des Diners. Den tollen Start der Pilotfolge möchten wir euch nicht vorenthalten:…

Was in allen als “weiblich” konnotierten neuen Serien auffällt: Die Darstellerinnen sind alle weiß und jung, und passen in die gängigen Klischees dessen, was als “gutaussehend” gilt. Als Erfolg können wir es nicht werten, wenn der vermeintliche Humor dann auch noch alten Mustern folgt. Die Kopie traditioneller patriarchaler Konzepte durch Frauen machen diese nicht besser.

Doch verzagt nicht: es gibt alte Serien, die wieder anlaufen und noch einige neu, für die heute nicht genug Platz ist und die vielleicht nicht überragend sind, aber als guilty pleasures trotzdem taugen.

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